Jürgen Münzner
Birkenweg 24
18565 Kloster / Hiddensee
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Rattenkönig Birlibi
Ich will die Geschichte erzählen von dem Rattenkönig Birlibi, eine
Geschichte, die mir Balzer Tievs aus Preseke oft erzählt hat nebst vielen andern
Geschichten. Balzer war ein Knecht, der auf meines Vaters Hofe diente, als ich
acht, neun Jahre alt war, ein Mensch von schalkischen Einfällen, der viele
Geschichten und Märchen wußte. Die Geschichte von dem Rattenkönig Birlibi lautet
also:
In dem stralsundischen Dorfe Altenkamp, welches
zwischen Garz und Putbus seitwärts am Strande
liegt, hat vormals ein reicher Bauer gelebt, der hieß Hans Burwitz. Das war ein
ordentlicher, kluger Mann, dem alles, was er angriff, geriet, und der im ganzen
Dorfe die beste Wehr hatte. Er hatte sechzehn Kühe, vierzig Schafe, acht Pferde
und zwei Füllen auf dem Stalle und in den Koppeln, glatt wie die Aale und von so
guter Zucht, daß seine Füllen auf dem Berger Pferdemarkt immer zu acht bis zehn
Pistolen das Stück bezahlt wurden. Dazu hatte er sechs hübsche Kinder, Söhne und
Töchter, und es ging ihm so wohl, daß die Leute ihn wohl den reichen Bauer zu
Altenkamp zu nennen pflegten. Dieser Mann ist durch nächtliche
Gänge im Walde um all sein Vermögen gekommen.
Hans Burwitz war auch ein
starker Jäger, besonders hatte er eine treffliche Witterung auf Füchse und
Marder und war deswegen oft des Nachts im Walde, wo er seine Eisen gelegt hatte
und auf den Fang lauerte. Da hat er im Dunkeln und im Zwielichte der Dämmerung
und des Mondscheins manche Dinge gesehen und gehört, die er nicht wiedererzählen
mochte, wie denn im Walde des Nachts viel Wunderliches und Absonderliches
vorgeht; aber die Geschichte von dem Rattenkönig Birlibi hat man von ihm
erfahren. Hans Burwitz hatte in seiner Kindheit oft von einem Rattenkönig
erzählen hören, der eine goldene Krone auf dem Kopfe trage und über alle Wiesel,
Hamster, Ratten, Mäuse und anderes dergleichen Springinsfeldisches und leichtes
Gesindel herrsche und ein gewaltiger Waldkönig sei; aber er hatte nie daran
glauben wollen. Manches liebe Jahr war er auch im Walde auf Fuchs- und
Marderfang und Vogelstellerei rundgegangen und hatte vom Rattenkönig auch nicht
das mindeste weder gesehen noch gehört. Da mochte der Rattenkönig aber wohl in
einer anderen Gegend sein Wesen getrieben haben. Denn er hat viele Schlösser in
allen Ländern unter den Bergen und zieht beinahe jedes Jahr auf ein anderes
Schloß, wo er sich mit seinen Hofherren und Hofdamen erlustigt. Denn er lebt wie
ein sehr vornehmer Herr, und der Großmogul und König von Frankreich kann keine
bessere Tage haben, und die Königin von Antiochien hat sie nicht gehabt, die ihr
Vermögen in Herzen von Paradiesvögeln und Gehirnen von Nachtigallen aufgefressen
hat. Und das glaube nur nicht, daß dieser Rattenkönig und seine Freunde Nüsse
und Weizenkörner und Milch je an ihren Schnabel bringen; nein, Zucker und
Marzipan ist ihr tägliches Essen, und süßer Wein ist ihr Getränk, und leben
besser als König Salomon und Feldhauptmann Holofernes.
Nun ging Hans
Burwitz wieder einmal nach Mitternacht in den Wald und war auf der Fuchslauer.
Da hörte er aus der Ferne ein vielstimmiges und kreischendes Getöse, und immer
klang mit heller Stimme heraus: Birlibi! Birlibi! Birlibi! Da erinnerte er sich
des Märchens vom Rattenkönig Birlibi, das er oft gehört hatte, und er dachte:
"Willst mal hingehen und zusehen, was es ist!" Denn er war ein beherzter Mann,
der auch in der stockfinstersten Nacht keine Furcht kannte. Und er war schon auf
dem Sprunge zu gehen, da bedachte er das Sprichwort: "Bleib weg, wo du nichts zu
tun hast, so behältst du deine Nase"; aber das Birlibi tönte ihm nach, solange
er im Walde war. Und die andere Nacht und die dritte Nacht war es wieder ebenso.
Er aber ließ sich nichts anfechten und sprach: "Laß den Teufel und sein Gesindel
ihr tolles Wesen treiben, wie sie wollen! Sie können dem nichts tun, der sich
nicht mit ihnen abgibt." Wollte Gott, Hans hätte es immer so gehalten! Aber die
vierte Nacht hat es ihn übermächtigt, und er ist wirklich in die bösen Stricke
geraten.
Es ist der Walpurgisabend gewesen, und seine Frau hat ihn
gebeten, er möge diese Nacht nur nicht in den Wald gehen, denn es sei nicht
geheuer, und alle Hexenmeister und Wettermacherinnen seien auf den Beinen, die
können ihm was antun; denn in dieser Nacht, die das ganze höllische Heer
loslasse, sei schon mancher Christenmensch zu Schaden gekommen. Aber er hat sie
ausgelacht und hat es eine weibische Furcht genannt und ist seines gewöhnlichen
Weges in den Wald gegangen, als die andern zu Bett waren. Da ist ihm aber der
König Birlibi zu mächtig geworden. Anfangs war es diese Nacht im Walde eben wie
die vorigen Nächte, es tosete und lärmte von fern, und das Birlibi klang hell
darunter; und was über seinem Kopfe durch die Wipfel der Bäume schwirrte und
pfiff und rauschte, das kümmerte Burwitz nicht viel, denn an Hexerei glaubte er
gar nicht und sagte, es seien nur Nachtgeister, wovor dem Menschen graue, weil
er sie nicht kenne, und allerlei Blendwerke und Gaukeleien der Finsternis, die
dem nichts tun können, der keinen Glauben daran habe. Aber als es nun
Mitternacht ward und die Glocke zwölf geschlagen hatte, da kam ein ganz anderes
Birlibi aus dem Walde hervor, daß Hansen die Haare auf dem Kopfe kribbelten und
sauseten und er davonlaufen wollte. Aber die waren ihm zu geschwind, und er war
bald mitten unter dem Haufen und konnte nicht mehr heraus.
Denn als es
zwölf geschlagen hatte, tönte der ganze Wald mit einem Male wie von Trommeln und
Pauken und Pfeifen und Trompeten, und es war so hell darin, als ob er plötzlich
von vielen tausend Lampen und Kerzen erleuchtet worden wäre. Es war aber diese
Nacht das große Hauptfest des Rattenkönigs, und alle seine Untertanen und Leute
und Mannen und Vasallen waren zur Feier desselben aufgeboten. Und es schienen
alle Bäume zu sausen und alle Büsche zu pfeifen und alle Felsen und Steine zu
springen und zu tanzen, so daß Hansen entsetzlich bange ward; aber als er
weglaufen wollte, verrannten ihm so viele Tiere den Weg, daß er nicht
durchkommen konnte und sich ergeben mußte, stehenzubleiben, wo er war. Es waren
da die Füchse und die Marder und die Iltisse und Wiesel und Siebenschläfer und
Murmeltiere und Hamster und Ratten und Mäuse in so zahlloser Menge, daß es
schien, sie waren aus der ganzen Welt zu diesem Feste zusammengetrommelt. Sie
liefen und sprangen und hüpften und tanzten durcheinander, als ob sie toll
waren; sie standen aber alle auf den Hinterfüßen, und mit den Vorderfüßen trugen
sie grüne Zweige aus Maien und jubelten und toseten und heulten und kreischten
und pfiffen jeder auf seine Weise. Kurz, es war das ganze leichte Diebsgesindel
der Nacht beisammen und machten gar ein scheußliches Geläute und Gebimmel und
Getümmel durcheinander. In den Lüften ging es ebenso wild als auf der Erde; da
flogen die Eulen und Krähen und Käuze und Uhus und Fledermäuse und Mistkäfer
bunt durcheinander und verkündigten mit ihren gellenden und kreischenden Kehlen
und mit ihren summenden und schwirrenden Flügeln die Freude des hohen
Tages.
Als Hans erschrocken und erstaunt sich mitten in dem Gewimmel und
Geschwirr und Getöse befand und nicht wußte, wo aus noch ein, siehe, da
leuchtete es mit einem Male heller auf, und nun sangen viele tausend Stimmen
zugleich, daß es in fürchterlich grauslicher Feierlichkeit durch den Walde
schallte und Hansen das Herz im Leibe bebte:
Macht auf! Macht auf! Macht
auf die Pforten!
Und wallet her von allen Orten!
Geladen seid ihr
allzugleich;
Der König ziehet durch sein Reich.
Ich bin der große
Rattenkönig.
Komm her zu mir, hast du zu wenig!
Von Gold und Silber ist
mein Haus,
Das Geld mess' ich mit Scheffeln aus.
So klang es im
feierlichen und langsamen Gesange fort, und dann schallten immer wieder einzelne
kreischende und gellende Stimmen mit widerlichem Laute darunter Birlibi!
Birlibi! und die ganze Menge rief Birlibi! nach, daß es durch den Wald schallte.
Und es war der Rattenkönig, welcher einhergezogen kam. Er war ungeheuer groß wie
ein Mastochs und saß auf einem goldenen Wagen und hatte eine goldene Krone auf
dem Haupte und hielt ein goldenes Zepter in der Hand, und neben ihm saß seine
Königin und hatte auch eine goldene Krone auf und war so fett, daß sie glänzte;
und sie hatten ihre langen kahlen Schwänze hinter sich zusammengeschlungen und
spielten damit, denn ihnen war sehr wohlig zumute. Und diese Schwänze waren das
Allerscheußlichste, was man da sah; aber der König und die Königin waren auch
scheußlich genug. Und der Wagen, worin sie saßen, ward von sechs magern Wölfen
gezogen, die mit den Zähnen fletschten, und zwei lange Kater standen als
Heiducken hinten auf und hielten brennende Fackeln und miauten entsetzlich. Dem
Rattenkönig und der Rattenkönigin war aber vor ihnen nicht bange; sie schienen
hier zu gewaltige Herren und Könige über alle zu sein. Es gingen auch zwölf
geschwinde Trommelschläger dem Wagen voran und trommelten. Das waren Hasen; die
müssen die Trommel schlagen und andern Mut machen, weil sie selbst keinen
haben.
Hansen war schon bange genug gewesen; jetzt aber, als er den
Rattenkönig und die Rattenkönigin und die Wölfe und Kater und Hasen so
miteinander sah, da schauderte ihm die Haut auf dem ganzen Leibe, und sein sonst
so tapferes Herz wollte fast verzagen, und er sprach bei sich: "Hier mag der
Henker länger bleiben, wo alles so wider die Natur geht! Ich habe auch wohl von
Wundern gelesen und gehört; aber sie gingen doch immer etwas natürlich zu. Daß
dies aber buntes Teufelsspiel ist und teuflisches Pack, sieht man wohl. Wer nur
heraus wäre!"
Und Hans machte noch einen Versuch, sich heraus zu drängen;
aber der Zug brauste immer frisch fort durch den Wald, und Hans mußte mit. So
ging es, bis sie an eine äußerste Ecke des Waldes kamen. Da war ein offenes Feld
und hielten viele hundert Wagen, die mit Speck und Fleisch und Korn und Nüssen
und anderen Eßwaren beladen waren. Einen jeden Wagen fuhr ein Bauer mit seinen
Pferden, und die Bauern trugen die Säcke Korn und das Speck und die Schinken und
Mettwürste und was sie sonst geladen, hinab in den Wald, und als sie Hans
Burwitz stehen sahen, riefen sie ihm zu: "Komm! Hilf auch tragen!" Und Hans ging
hin und lud mit ab und trug mit ihnen; er war aber so verwirrt, daß er nicht
wußte, was er tat. Es deuchte ihm aber in dem Zwielichte, als sehe er unter den
Bauern bekannte Gesichter, und unter andern den Schulzen aus Krakvitz
und den Schmied aus Casnevitz; er ließ sich aber
nichts merken, und jene taten auch wie unbekannte Leute. Mit den Bauern aber
hatte es die Bewandnis: sie hatten sich dem Rattenkönig und seinem Anhange zum
Dienst ergeben und mußten ihnen in der Walpurgisnacht, wo des Rattenkönigs
großes Fest steht, immer den Raub zu dem Walde fahren, den Rattenkönigs
Untertanen einzeln aus allen Orten der Welt zusammengemaust und
zusammengestohlen hatten. Und Hans kam nun auch ganz unschuldig dazu und wußte
nicht wie. Sowie die Säcke und das andere in den Wald getragen wurden, war das
wilde Diebsgesindel darüber her, und es ging Grips! Graps! und Rips! Raps! hast
du mir nicht gesehen, und jeder griff zu und schleppte sein Teil fort, so daß
ihrer immer weniger wurden. Der König aber hielt noch da in seinem hohen und
prächtigen Wagen, und es tanzeten und toseten und lärmten noch einige um ihn.
Als aber alle Wagen abgeladen waren, da kamen wohl hundert große Ratten und
gossen Gold aus Scheffeln auf das Feld und auf den Weg und sangen
dazu:
Hände her! Mützen her!
Wer will mehr? Wer will mehr?
Lustig!
Lustig! Heut geht's toll,
Lustig! Händ' und Mützen voll!
Und die
Bauern fielen wie die hungrigen Raben über das ausgeschüttete Gold her und
griffelten und graffelten und drängten und stießen sich, und jeder raffte so
viel auf von dem roten Raube, als er habhaft werden konnte, und Hans war auch
nicht faul und griff rüstig mit zu. Und als sie in bester Arbeit waren wie
Tauben, worunter man Erbsen geworfen, siehe, da krähete der Morgenhahn, wo das
heidnische und höllische Reich auf der Erde keine Macht mehr hat - und in einem
hui war alles verschwunden, als wäre es nur ein Traum gewesen, und Hans stand
ganz allein da am Walde. Und der Morgen brach an, und er ging mit schwerem
Herzen nach Hause. Er hatte aber auch schwere Taschen und schönes rotes Gold
darin; das schüttete er nicht aus. Seine Frau war ganz ängstlich geworden, daß
er so spät zu Hause kam, und sie erschrak, als sie ihn so bleich und verstört
sah, und fragte ihn allerlei. Er aber fertigte sie nach seiner Gewohnheit mit
Scherz ab und sagte ihr nicht ein Sterbenswörtchen von dem, was er gesehen und
gehört hatte.
Hans zählte sein Gold (es war ein hübsches Häuflein
Dukaten), legte es in den Kasten und ging die ersten Monate nach diesem
Abenteuer nicht in den Wald. Er hatte ein heimliches Grauen davor. Dann vergaß
er, wie es dem Menschen geht, die Walpurgisnacht und ihr schauerliches und
greuliches Getümmel allmählich und ging nach wie vor im Mond- und Sternenschein
auf seinen Fuchs- und Marderfang. Von dem Rattenkönig und seinem Birlibi sah und
hörte er nichts mehr und dachte zuletzt selten daran. Aber als es gegen den
Frühling ging, veränderte sich alles; er hörte zuweilen um die Mitternacht
wieder das Birlibi klingen, daß seine mattesten Haare auf dem Kopfe ihm lebendig
wurden, und lief dann zwar immer geschwinde aus dem Walde, hatte aber dabei doch
seine heimlichen Gedanken auf die Walpurgisnacht; und weil das, was die Menschen
bei Tage denken, ihnen bei Nacht im Traume wiederkommt und allerlei spielt und
spiegelt und gaukelt, so blieb auch der Rattenkönig mit seiner Nachtgaukelei
nicht aus, und Hans träumte oft, als stehe der Rattenkönig vor seiner Türe und
klopfe an; und er machte ihm dann auf und sah ihn leibhaftig, wie er damals in
dem Wagen gesessen, und er war nun ganz von lauterem Golde und auch nicht so
häßlich, als er ihm damals vorgekommen, und Rattenkönig sang ihm mit der
allersüßesten Stimme, von der man nicht glauben wollte, daß eine Rattenkehle sie
haben könnte, den Vers vor:
Ich bin der große Rattenkönig.
Komm her zu
mir, hast du zu wenig!
Von Gold und Silber ist mein Haus,
Das Geld mess'
ich mit Scheffeln aus.
Und dann kam er dicht zu ihm heran und flüsterte
ihm ins Ohr: "Du kommst doch wieder zur Walpurgisnacht, Hans Burwitz, und hilfst
Säcke tragen und holst dir deine Taschen voll Dukaten?" Zwar hatte Hans, wann er
aus solchen Träumen erwachte, neben der Freude über das Gold immer ein Grauen,
und er sprach dann wohl: "Warte nur, Prinz Birlibi, ich komme dir nicht zu
deinem Feste!" Aber es ging ihm, wie es andern Leuten auch gegangen ist, und das
alte Sprichwort sollte an ihm auch wahr werden: Wen der Teufel erst an einem
Faden hat, den führt er auch wohl bald am Strick. Genug, je näher die
Walpurgisnacht kam, desto mehr wuchs in Hans die Gier, auch dabei zu sein. Doch
nahm er sich fest vor, dem Bösen diesmal nicht den Willen zu tun, und ging den
Walpurgisabend auch glücklich mit seiner Frau zu Bett. Aber er konnte nicht
einschlafen; die Wagen mit den Säcken und die Bauern und die großen Ratten, die
das Gold aus Scheffeln auf den Boden schütteten, fielen ihm immer wieder ein,
und er konnte es nicht länger aushalten im Bette, er mußte aufstehen und sich
von der Frau fortschleichen und in den finstern Wald laufen. Und da hat er diese
zweite Nacht ebenso wieder erlebt als das erstemal. Er hatte sich ein Säckchen
mitgenommen für das Gold und hatte auch viel reichlicher eingesammelt als das
vorige Jahr.
Nun deuchte ihm, habe er des Goldes genug, und er tat einen
hohen Schwur, er wolle sich nimmer wieder in die Versuchung geben und auch nie
wieder in den Wald gehen. Und er hat den Schwur gehalten und sich selbst
überwunden, daß er nicht in den Wald gegangen ist und keine Walpurgisnacht
wieder mitgehalten hat, so oft ihm auch noch von dem Birlibi und dem goldenen
Rattenkönige geträumt hat. Er hat das aber nicht in seinem Herzen sitzen lassen,
sondern hat es mit eifrigem Gebet wieder ausgetrieben und den Bösen endlich müd,
gemacht, daß er von ihm gewichen ist. So war manches Jahr vergangen, und Hans
hieß ein sehr reicher Mann. Er hatte sich für seine Dukaten Dörfer und Güter
gekauft und war ein Herr geworden. Es munkelte auch unter den Leuten, es gehe
nicht mit rechten Dingen zu mit seinem Reichtum; aber keiner konnte ihm das
beweisen.
Der Böse lauerte auf den armen Mann, an dem er schon einige Macht gewonnen
hatte. Er war ergrimmt auf ihn, weil er von seinen hohen Festen in der
Walpurgisnacht ganz ausblieb, und als Hans einmal wieder mit sündlicher
Lüsternheit an das Goldsammeln gedacht und darüber das Abendgebet vergessen,
auch einige unchristliche Flüche über eine Kleinigkeit getan hatte, hat er mit
seinem Gesindel hervorbrechen können, und Hans hat nun gelernt, was das goldene
Spielwerk des Königs Birlibi eigentlich auf sich habe. Seit dieser Zeit hat Hans
weder Stern noch Glück mehr in seiner Wirtschaft gehabt. Wieviel er sich auch
abmattete, er konnte nichts mehr vor sich bringen, sondern es ging von Tage zu
Tage mehr rückwärts. Seine ärgsten Feinde aber waren die Mäuse, die ihm im Felde
und in den Scheunen das Korn auffraßen, die Wiesel, Ratten und Marder, die ihm
die Hühner, Enten und Tauben abschlachteten, die Füchse und Wölfe, die seine
Lämmer, Schafe, Füllen und Kälber holten. Kurz, das Gesindel hat es so arg
gemacht, daß Hans in wenigen Jahren um Güter und Höfe, um Pferde und Rinder, um
Schafe und Kälber gekommen ist und zuletzt nicht ein einziges Huhn mehr hat sein
nennen können. Er hat als ein armer Mann mit dem Stock in der Hand nebst Weib
und Kindern von Haus und Hof gehen und sich auf seinen alten Tagen als
Tagelöhner ernähren müssen.
Da hat er oft die Geschichte erzählt, wie er
zu dem Reichtum gekommen und aus dem Bauern ein Edelmann geworden ist, und hat
Gott gedankt, daß er Ratten und Mäuse als seine Bekehrer geschickt und ihn so
arm gemacht hat. "Denn sonst", hat der arme Mann gesagt, "Wäre ich wohl nicht in
den Himmel gekommen, und der Teufel hätte seine Macht an mir behalten, und ich
hätte dort jenseits endlich auch nach des Rattenkönigs Pfeife tanzen müssen."
Das hat er auch dabei erzählt, daß solches Gold, das man auf eine so wundersame
und heimliche Weise gewinne, doch keinen Segen in sich habe; denn ihm sei bei
allen seinen Schätzen doch nie so wohl ums Herz gewesen als nachher in der
bittersten Armut; ja, er sei ein elenderer Mann gewesen, da er als Junker mit
Sechsen gefahren, als nachher, da er oft froh gewesen, wenn er des Abends nur
Salz und Kartoffeln gehabt habe.
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