Jürgen Münzner
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Ostsee-Insel Hiddensee

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Geschichte der Insel Rügen *

Die ursprüngliche Bevölkerung Rügens waren Germanen. Zur Zeit der Völkerwanderung trieb der Drang der Zeit diese alten Rugier von ihren alten Fluren fort nach Italien, dem Sehnsuchtziel der deutschen Wandervölker.
Unter ihren Führer Odoaker bereiteten sie dem weströmischen Reiche das Ende, fanden aber schließlich selbst an Totilas und Tejas Seite hier ihren Heldentod. Den von Ihnen verlassenen Platz nahmen slawische Völker ein, jedoch fehlt uns hierüber jede zuverlässige Kunde. Als Rügen im 10. Jahrhundert allmählich anfängt, aus dem Dunkel in das Licht der Geschichte einzutreten, heißt die Insel nicht Rügen, sondern Reuna, Ruja, Roe und die Bewohner Rani, Ruani, Roani, auch Rugiani. Entweder haben die eingewanderten Slawen der Insel diesen Namen gegeben und sind dann danach benannt worden, wie man ja meint, dass in Ruja die slawische Wurzel rui, polnisch roy, das ist Schwarm, liegt, und die Insel also diejenige sei, nach der und von der das Volk ausgeschwärmt sei, oder sie haben den vorgefundenen alten Namen Ruja oder Rugia in ihrer Mundart umgebildet. Erst im Mittelalter, als man wieder aus Tacitus Schriften von den Rugiern hörte, bekam die Insel den Namen Rugia, aus dem Rügen geworden ist. Diese slawische Bevölkerung hielt sich bis zum Einzug des Christentums.Weg zum Heiligtum des Nationalgottes Swantewit auf Rügen
Am 14. Juni 1168 wurde Arkona erobert und das dortige Heiligtum des Rügenschen Nationalgottes Swantewit vom König Waldemar I. und seinem großen Kanzler Bischof Absalon von Roeskilde zerstört. Die Folge hiervon war, daß das Christentum endlich, nachdem alle benachbarten Stämme demselben Zeit einem halben Jahrhundert bereits angehörten, auch in Rügen eingeführt wurde. Eingeborenen Fürsten beherrschten nun die Insel unter dänischer Lehnsherrschaft 1168 - 1325. Der erste rügensche Fürst Jaromar I., der Große genannt, war bestrebt, in Rügen die Segnungen der Kultur einzuführen. Aber die Slawen, deren Haupterwerbszweig die Seeräuberei gewesen, waren dazu nicht geeignet; die Rugianer müssten einen eine energische Kultur des Bodens gewöhnt werden, neue Erwerbszweigen, sowie vor allem der Handel müssten geschaffen werden. Jaromar richtete seinen Blick nach Deutschland und holte von hier seine Kolonisten, daher ist es ihm zu verdanken, daß Rügen, trotzdem es dänisches Lehen war, denn nach einem durchaus deutsches Land in Gesittung und Sprache wurde und geblieben ist. Ganz allmählich natürlich ging dieser Verwandlungsprozess Rügens von einem slawischen in einen deutsches Land vor sich, aber es ist ein Beweis von der Zähigkeit des Germanentums und seiner Überlegenheit über das Slawentum, dass schon nach zwei Jahrhunderten das letztere spurlos von der Insel verschwunden ist. 1193 gründete Jaromar I. das erste Kloster bei dem Rugard, Anfang der Stadt Bergen. 1209 derselbe Fürst die Stadt Stralsund. 1297 wurde von Witzlaw II. das Zisterzienser-Kloster auf Hiddensee gegründet. Nach dem Aussterben des letzten einheimischen Fürsten Witzlaw III. 1325 fiel die Insel durch Erbvertrag an die Pommernherzöge, unter deren Herrschaft sie bis zu ihrem Aussterben 1637 verblieb. In diesem langen Zeitraum herrschte auf Rügen Ruhe und Wohlstand. 1522 bis 1534 wurde die Reformation eingeführt. Das Land musste während des dreißigjährigen Krieges viel leiden; die in Schweden besetzten 1640 die alte Fähre und Hiddensee, während die Kaiserlichen die ganze Insel zerstörten und plünderten.
Im westfälischen Frieden 1648 fällt Vorpommern und Rügen an Schweden. 1667 wird die Insel von Dänemark besetzt, doch schon 1668 von den Schweden zurückerobert. Am 13. September 1678 landet der große Kurfürst mit Derfflinger auf Rügen (Denkmal bei Neukamp) und besetzte die Insel, im Frieden zu Sankt Germain 1679 musste sie jedoch wieder einen die Schweden zurückgegeben werden. 1715 wurde Rügen wiederum von den Preußen unter dem alten Dessauer erobert. Am 15. November landete König Friedrich Wilhelm I. im Bunde mit dem Dänenkönig bei Gr. Stresow (Denkmal) und Vertrieb den Schwedenkönig Karl XII., trotzdem musste er beim Friedensschluss 1720 die Insel wieder an Schweden zurückgeben. 1806 KO der schwedische König die Leibeigenschaft endlich auf, infolge des von Ernst Moritz Arndt erlassenen Aufrufs. Aber noch einmal sollte das unglückliche Land die schrecklichen Leiden des Krieges kosten, 1806 bis 1810 war des von den Franzosen besetzt, die furchtbar auf der Insel wüteten und das Volk bis auf das äußerste aussogen, sodaß der Wohlstand Rügens total ruiniert wurde. Endlich im Wiener Kongress 1815 wurde die Insel Preußen dauernd zuerkannt und hiermit endete die Kette der Kriegsdrangsale für Rügen.
Sein ferneres Schicksal gestaltete sich ohne Blutvergießen und Bedrückung, statt der kriegerischen setzte eine friedliche Entwicklung ein, die Rügen bei der Jahrhundertwende in einem nie geahnten Glanz zeigt. Sein Strand, weitgerühmt und weltbekannt, lockt alljährlich über 50.000 Menschen an, die in Rügens Fluten Erholung und Stärkung für den heute die höchste Kraft fordernden Kampf um das Dasein suchen und finden.
Aus der neueren Geschichte ist außer dem kleinen Seegefecht gegen dänische Schiffe bei Arkona 1864 und dem Erscheinen französischer Panzer vor Hiddensee 1870 die große Sturmflut zu erwähnen, welche vom 12. zum 13. November 1870 namenloses Elend über die Insel Rügen brachte.

Sonnenuntergang im Winter auf Hiddensee
Sonnenuntergang auf Hiddensee im Winter

Einzelne Landstrecken wurden durchbrochen, so Hiddensee bei Plogghagen, Bug bei Dranke und dem Norden die Schaabe bei Glowe. Auf der Insel Mönchgut wurden die Dünen von Thiessow bis Göhren vernichtet, in der Stubnitz die ältesten Bäume entwurzelt und alle Landungsbrücken der Insel abgerissen (siehe Spielhagen " Sturmflut ").
Auch die letzten Tage des Jahres 1904 brachten eine ähnliche Sturmflut, die einen der ganzen Küste ungeheuer großen Schaden anrichtete. Die im Jahre 1902 erbaute große Landungsbrücke in Binz wurde von der Flut vollständig hinweggerissen. Ebenso die Bäder in Binz, Sellin, Göhren, Saßnitz, Lohme und Breege. Den Fischern wurden ihre Böte zertrümmert, die Netze zerrissen. Viele wurden brotlos.
Aber allenthalben ist man bemüht, den eingerichteten Schaden wieder gutzumachen und so werden die Badegäste die beliebten Erholungsorte in alter Schönheit und vielfach sogar noch schöner vorfinden.


Quellenangaben:
* Arthur Schuster's Führer durch die Insel Rügen
Stettin Verlag von Arthur Schuster
Seite 6 bis 9

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